

Die Bachelorarbeit Lückenlos untersucht studentisches Wohnen als architektonische und stadtpolitische Aufgabe im Kontext der angespannten Wohnungsmärkte deutscher Großstädte. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass insbesondere junge, mobile Haushalte von strukturellen Engpässen betroffen sind, während innerstädtische Restflächen weiterhin ein bislang unzureichend ausgeschöpftes Transformationspotenzial besitzen. Die Arbeit versteht die Baulücke dabei nicht als bloße Verdichtungsreserve, sondern als präzisen städtischen Resonanzraum, in dem Fragen von Typologie, sozialer Mischung und programmatischer Hybridisierung neu verhandelt werden können.
Band 1 kartiert und bewertet mindergenutzte Baulücken in Hamburg und macht deren quantitative wie qualitative Entwicklungsoptionen sichtbar. Band 2 verschiebt den Maßstab auf die konkrete stadträumliche Einbettung am Beispiel von St. Georg und liest das Quartier als komplex überlagertes Gefüge aus Nutzungsmischung, sozialer Heterogenität und alltäglichen Aneignungspraktiken. Band 3 übersetzt diese Befunde in einen architektonischen Entwurf, der studentisches Wohnen als gemeinschaftsorientierte Wohnform mit öffentlich wirksamen Programmen koppelt und damit ein Modell für „Social Mixed-Use“ im innerstädtischen Kontext vorschlägt.
Über alle drei Teile hinweg verfolgt die Arbeit das Ziel, Nachverdichtung nicht ausschließlich als volumetrische Aufgabe zu begreifen, sondern als räumlich-soziale Projektierung. Der Entwurf operiert mit modularen Wohnstrukturen, abgestuften Öffentlichkeiten und bewusst gesetzten Begegnungsräumen, um individuelle Rückzugsbedürfnisse mit kollektiven Nutzungen zu verschränken. Damit positioniert sich das Projekt zwischen wohnungspolitischer Dringlichkeit und architektonischer Typenforschung und versteht die urbane Baulücke als produktiven Ausgangspunkt für neue Formen des studentischen Zusammenlebens.
Insgesamt wurden 30 Baulücken identifiziert und zehn besonders geeignete Standorte vertiefend analysiert. Bewertet wurden unter anderem die aktuelle Nutzung, die Nähe zu Hochschulen, die ÖPNV-Anbindung sowie das Freizeitangebot im Umfeld. Die Untersuchung zeigt, dass alle Standorte grundsätzlich gute Voraussetzungen für studentisches Wohnen bieten. Durch die Ausnutzung des zulässigen Baurechts könnten meist drei bis fünf zusätzliche Vollgeschosse und damit neue Wohnflächen geschaffen werden.

Trotz ihres Potenzials sind Baulücken meist kleine Restgrundstücke, die einzeln nur begrenzt Wohnraum liefern. Ihre Stärke liegt in der Summe vieler Nachverdichtungsmaßnahmen. Entscheidend für den Erfolg ist eine sensible bauliche und soziale Integration in die bestehenden Quartiere. Für die weitere Bearbeitung wurde daher ein besonders geeignetes Grundstück in der Langen Reihe in St. Georg ausgewählt, das im nächsten Projektschritt detailliert untersucht und entwerferisch vertieft wird.

Im zweiten Band wird der Kontext des aus-gewählten Entwurfsgrundstück in drei Zoom-Stufen näher untersuchen. Zunächst wird der Stadtteil St. Georg aus verschiedenen Blick-winkeln betrachten, um ein Verständnis für die Besonderheiten und Herausforderungen dieses Viertels zu entwickeln. Dabei werden historische, soziale und städtebauliche Aspekte berück-sichtigt. Im zweiten Schritt verkleinert sich der Fokus auf die Lange Reihe, die Straße, in der sich das Grundstück befindet. Diese Straße spielt eine Schlüsselrolle in der urbanen Struktur St.Georgs und wird hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Viertel, aber auch aufkommender Probleme betrachtet. Abschließend widmen wir uns dem Grundstück Lange Reihe 82-86 selbst. Die aktuelle Nutzung und räumlichen Zusammenhänge der Bestands-bauten stehen dabei im Fokus.Ziel ist es, als Basis für den Entwurfsprozess,ein tiefergehendes Verständnis für die Potenziale und Herausforderungen zu schaffen, die der Entwurskontext bietet.

















